
Fotos: Peter Nünlist
Sommerprogramm: Führung Spinnerei Rieter, Winterthur vom 7. Augsut 2025
Um mehr über die Weiterverarbeitung des Rohstoffes «Baumwolle» zu erfahren, haben sich Total 23 interessierte Teilnehmer der Männerriege am Eingang des neu erbauten Rieter-Campus in Winterthur-Töss eingefunden.
Dort wurden wir von Herr Felix Hasler (Leiter Versuchsspinnerei und seit fast 40 Jahren bei Rieter) empfangen. Zuerst informierte er uns über den Werdegang der Fa. Rieter AG welche 1795 durch Johann-Jacob Rieter gegründet wurde. Kurz darauf wurde die erste Spinnerei gegründet. Des Weiteren wurde auch die Diversifizierung in Turbinen/Werkzeugmaschinen/Motoren etc. vorangetrieben. Doch kurz vor dem 1. Weltkrieg fokussierte man sich dann auf die Produktion von Spinnereimaschinen. Nach dem 2. Weltkrieg expandierte die Rieter weltweit und ist heute einer der grössten Hersteller sowie Anbieter von kompletten Spinnerei-Anlagen. Jedoch wurde die Produktion in der Zwischenzeit ins Ausland (Deutschland/Tschechien/Indien/China) verlagert. Im Hauptsitz in Winterthur ist nebst der Administration nur noch die Weiterentwicklung/Forschung sowie die Versuchsspinnerei mit ca. 700 Angestellten vorhanden.
Für den 2. Teil der Besichtigung führte uns Herr Hasler in deren «showroom» wo uns anhand von 4 Geweben die verschiedensten Arten von «Spinnen» wie «Ring/Kompakt/Rotor- und Luftspinnen aufgezeigt wurde. Auch das Thema Nachhaltigkeit wie Verwertung von Altkleidern wurde intensiv besprochen. Wir konnten bereits die ersten Poloshirts bestaunen, welche aus Fasern von Altkleidern hergestellt wurden. Die Kosten für die Herstellung (vor allem sind die Kleider heute aus Mischgarnen wie Baumwolle/Polyester etc. hergestellt) sind zurzeit noch zu hoch, um gegen das «herkömmliche» Gewebe zu konkurrenzieren. Es werden jedoch Anstrengungen unternommen, um die Kosten zu senken (vor allem beim Sortieren) damit später vermehrt «altneue» Kleidungsstücken preislich attraktiv sind.
Nach diesen interessanten Ausführungen gings nun an das «Eingemachte», und zwar in die grosse Halle wo all die verschiedensten Maschinen für Versuche sowie für potenzielle Kunden ausgestellt sind. Dass so eine komplette Spinnerei nicht nur aus der «Spinnmaschine» besteht wurde uns schon am Anfang bewusst. Da kommen zuerst die Maschinen für die Faservorbereitung wie Abtragen der Faser/Faserreinigung/Mischen der verschiedensten Faser-Teile bis zum Kardenband. In den nächsten Schritten kommen nun die Maschinen für das Kämmen und die Flyer zur Anwendung, welches das Vorgarn herstellt. Und erst jetzt kommen die eigentlichen Spinnmaschinen zum Zuge, wo die verschiedensten Garne hergestellt werden und dann auf «Konen» gedreht werden. Um Transportkosten zu sparen und für die Weiterverarbeitung mit den Webmaschinen wird das Garn von den Konen noch mit der Spulmaschine auf s.g. Spulen umgespult. Die Lauflänge einer Spule mit Garn beträgt ca. 270 Km!! Die Kosten für eine komplette Spinnerei-Anlage (ohne Gebäude und Infrastruktur) für 40 Tonnen Garnproduktion pro Tag belaufen sich auf ca. 20-24.0 Mio Schweizer-Franken.
Man merkte sofort, dass Herr Hasler mit «Leib-und Seele» ein «Textiler» ist. Anhand von graphischen Zeichnungen sowie seinen kompetenten und verständlichen Ausführungen konnten wir das «Innenleben» der verschiedensten Maschinen mitverfolgen. Auch alle Fragen einiger Teilnehmer wurden von Herr Hasler kompetent beantwortet. Wir alle (und obwohl der «Schreiber» schon einige Spinnereien in verschiedensten Ländern gesehen hat) waren von der Komplexität und Innovation vom Rohstoff bis zum Garn sehr beeindruckt. Für die kurzweilige und interessante Führung bedankten wir uns bei Herr Hasler mit einem 3er Turnerklatsch was ihn sichtlich berührte.
Nachher gings per Bus von Winterthur-Töss zum Restaurant Sternen Breite b.N. wo sich Werner Vogel zu uns gesellte. Nach dem Genuss der ersten «kühlen» Getränke wurden der Hunger mit «Roastbeef und Salat» gestillt und für einige mit einem guten Tropfen Rotwein abgerundet. Dabei wurde immer noch über das Gesehene bei der Fa. Rieter AG angeregt diskutiert und kommentiert. Nach dem Kaffee lichtete sich das Teilnehmer-Feld, um sich mit dem Bus wieder nach Bassersdorf führen zu lassen. Der «harte» Kern bestehend aus 4 Personen entschied sich für die Rückkehr nach Hause mit einem 1-stündigen Fussmarsch.
Raymond Neuschwander
Präsident MRB
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